Verlust, Trauer und Verarbeitung

Es gibt viele Menschen, die durch einen erlebten Verlust traumatisiert sind und ihr Leben nicht wie bisher weiterführen können.
Es gibt Menschen, die in ihrer Trauerphase daran verzweifeln, dass sie leiden und bei der Arbeit unkonzentriert sind.
Es gibt sogar Menschen, die den Verlust nicht verarbeiten können und tagtäglich mit Ängsten und weiteren DepressionsSymptomen kämpfen müssen oder bestimmte Tage im Jahr als emotionale Krisen empfinden.
All diese Personen motivieren mich, diesen Artikel zu schreiben und die Meinung eines Spezialisten an die Öffentlichkeit zu bringen um schließlich die Hilfe, die ich erfahren durfte auch anderen zukommen zu lassen.
Ein Verlust ist ein traumatisches Erlebnis, das verarbeitet werden muss, verstanden werden muss und jeder geht auf seine eigene Art mit dem Schmerz und der Wut um – jeder braucht einen ganz individuellen Zeitraum, um mit dem Erlebten klar zu kommen und sein Leben neu zu ordnen.
Vorwürfe, dass es einem nicht gut geht, sind also falsch…jeder hat ein Recht zu trauern! Denn wer verdrängt, wird krank.
Eine Freundin von mir hat die Trennung ihrer Eltern und den PsychoTerror der Mutter mit Alkohol und Arbeit verdrängt…wenn es ihr schlecht ging, machte sie Party und fand sich am nächsten Morgen mit Kater im Bett unbekannter Personen wieder…der Zusammenbruch kommt aller paar Jahre, wenn die Alpträume das Maß des Unerträglichen erreichen…Arbeit war immer wichtiger als Therapie.
Doch eine TraumaTherapie ist innerhalb eines Jahres nach dem Verlust zu beginnen, denn später ist nur noch schwer an die Situation heran zu kommen und die Erinnerungen durch aktuellere Ereignisse verschüttet oder verändert. Ziel der Therapie ist, den Verlust zu verstehen, zu verarbeiten und krankhafte Folgen wie Alpträume, Beziehungsunfähigkeit, Panikattacken und Psychosen vorzubeugen oder zu heilen.
Man erfährt, dass es normal ist, dass es Betroffenen so schlecht geht, ja sogar eine wichtige Phase des Verarbeitungsprozesses ist, einen aber nicht umbringen darf. Verständnis ist wichtig und Klarheit schafft Heilung. Wer seinen Kollegen nicht sagt, was los ist, kann kein Verständnis finden und keinerlei Hilfe bei der Verarbeitung erhalten. Denn beim ersten Mal ist es am Schlimmsten und beim letzten Mal führt es zum psychischen Tod…dabei ist es egal, ob man von einer Trennung, einer Fehlgeburt, einem Mord, einer Krankheit, einem unerfüllten Lebenstraum, einem tiefen Vertrauensbruch oder die vielen anderen Arten von Verlust spricht.
Fakt ist: Verlust führt zu Trauer und Schmerz, was wiederum Ängste auslöst, die in ihrem Maximum sogar zur Lähmung führen können, jedoch dabei das unbewusste Ziel haben, in dem Stillstand über den Verlust, dessen Ursachen aber auch dessen Konsequenzen nachzudenken.
Falls das nicht gelingt, folgen Blockaden und langfristig der psychische Zusammenbruch.
-Verlust ist wie die Zerstörung des persönlichen LebensPuzzles
-Aufgabe der Trauer ist es, das zerstörte Puzzle wieder aufzubauen
-das Bild (des Lebens) muss neu geordnet werden
-die Lücke muss definiert und ins Leben integriert werden, eventuell mit Ersatz geschlossen werden
Fragen, die du dir stellen solltest…
Wie kam es zum Verlust – die ganze Wahrheit?
Welche Fehler hab ich gemacht und wie kann ich daraus lernen?
Was verlor ich und wie kann ich mit der Lücke leben?
Was kann ich aus dieser Erfahrung lernen?
Was war Positiv, so dass ich es wieder erleben möchte?
Was war Negativ, so dass ich es in Zukunft vermeide?
Welche Erinnerungen möchte ich bewahren?
Welche Ängste habe ich?
Welches Bedürfnis steckt hinter meinen Ängsten?
Ängste führen zu Blockaden, wenn man sich ihnen nicht stellt, verlieren aber an Kraft und Schrecken, sobald man sie eingehend betrachtet. Dies zu lernen, ist mit einem MentalTrainer oder einem Psychologen leicht.
Wenn die Furcht zur Lähmung führt, dient dies dazu, sich von dem Schmerz zu erholen, die Angst langsam abzubauen und die Konsequenzen aus dieser Gefahr für die Seele in das zukünftige Verhalten zu integrieren.
Angst vor Schmerzen, die einen quälen
Angst allein bleiben zu müssen (Gefahr: Schmerz durch Einsamkeit)
Wut im Stich gelassen worden zu sein
Hilflosigkeit
Verzweiflung
Enttäuschung (Trauer + Wut)
Die größte Gefahr liegt in ExistenzÄngsten wie z.B. ArbeitsplatzVerlust. Diese sind so überdimensional, dass die Gefühle abgespalten werden können und unbewusst zu innerer Unruhe (Nervosität, Unsicherheit) führen und somit die emotionale Stabilität angreifen, vielleicht sogar zerstören.
Eine weitere Gefahr besteht darin, wenn die Lücke nicht ihren Platz in den Lektionen des Lebens findet, sondern alles beherrscht. Entweder führt dies zu Blockaden – wie z.B. Nervenzusammenbrüche und Depressionen – oder selbstverletzendem Verhalten – wie z.B. Wutausbrüche, Diebstahl, exzessives Einkaufen oder Selbstverletzung.
Um den Verlust zu verarbeiten, braucht man Mut und die Bereitschaft sich den Gefühlen zu stellen und die Wahrheit zu ergründen.
Abstand bringt Schmerzlinderung…darum braucht jeder seine eigene Zeit, bis er sich dem Erlebten stellen kann.
Wie groß die Lücke ist, hängt von der Wahrnehmung ab…der erste Verlust ist der Schlimmste…der zweite, dritte, vierte wird zur schmerzhaften Routine und irgendwann kommt der Moment, wo man den Schmerz nicht mehr erträgt und die Konsequenzen zieht und sein Leben radikal ändert.
Bei der Verarbeitung sind 2 Phasen essentiell…
1. VerlustOrientierung (TrauerRituale)
2. NeuOrientierung (Loslassen und Weitermachen)
…die sich wie ein schwingendes Pendel abwechseln und ihren eigenen ZeitBedarf benötigen.
Wenn zu viel von 1. den Alltag bestimmt, verliert man das Leben, was man sich wünscht und wird depressiv.
Wenn zu viel von 2. den Alltag nach dem Verlust bestimmt, folgt die innere Unruhe und Jahre später der psychische Zusammenbruch.
Ratschläge wie „Andere Mütter haben auch schöne Töchter“ oder „Du hast ja noch Zeit Kinder zu bekommen“ bzw. „Du hast ja noch…“ bringen einen zur Verzweiflung, weil das suggeriert, man könnte sein Lebensglück nur mit Ersatz wieder finden…man wird unbewusst unter Druck gesetzt. Man gerät in Stress, um unterbewusst alles zu tun, um die FremdErwartung zu erfüllen…obwohl man noch gar nicht weiß, was man will…
Will man mit der Lücke leben und mit den schönen Erinnerungen seinen Frieden finden?
Will man einen gleichwertigen Ersatz und das Risiko eines erneuten Verlustes eingehen, um glücklich zu sein, solange die Situation als schön empfunden wird?
Will man einen ungleichwertigen Ersatz und damit neue Freude erleben?
Will man die Lücke mit einem neuen Lebenssinn füllen und aus der Lebenslektion Kraft schöpfen?
Will man die Gefühle in Energie umwandeln und konstruktiv nutzen für Arbeit oder Hobby?
Will man so weiter machen wie bisher und die Fehler wiederholen, weil man noch mehr Erkenntnisse benötigt, um daraus lernen zu können?
Wofür auch immer man sich am Ende entscheidet…bis dahin helfen dem Betroffenen die verständnisvollen Worte…
Dein Verlust ist schlimm und du hast ein Recht zu trauern. Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst. Ich bin für dich da. Vergiss aber nicht, dein Verlust ist auch eine Chance für die Zukunft zu lernen. Es gibt so viel, was das Leben lebenswert macht. Bitte finde zum Sonnenschein zurück und hab die Kraft, die Schatten zu überwinden. Melde dich, wenn du es nicht alleine schaffst…ich lass dich nicht im Stich.
Meine Trauer erfährt Hilfe in TrauerRitualen. Muss ich etwas Geliebtes loslassen, verabschiede ich mich auf dem Friedhof davon. Muss ich die Qual durchstehen, sehe ich Bilder als ErsatzGenuss, schaue Filme zu dem Thema, die mir helfen zu weinen, höre Musik, die meine Gefühlslage widerspiegeln. Oder ich bastele am Puzzle, klopfe rhytmisch auf Buschtrommeln herum, baue am Vogelhaus, falte OrigamiFiguren o.ä., um mich abzulenken und die Unruhe als Energie in konstruktive Projekte zu stecken. Halte ich das Leid nicht aus, laufe ich und bringe Abstand zwischen mich und den Schmerz oder bitte Freunde, mich durch ihre positiven und negativen Erlebnisse von eigenen Problemen abzulenken.
Der Verlust verschwindet, wenn man einen ähnlichen Ersatz gefunden hat – statt Basketball eben RollstuhlBasketball für den Querschnittsgelähmten, anstatt eigener Kinder eben schöne Erlebnisse mit anderen Kindern, statt einer festen Beziehung mit Zukunft eine lockere Bindung, statt großer Familienfeste lieber eine liebevolle Gemeinde, statt einer Reise eben Dokumentationen und Reiseberichte über Land und Kultur, statt eigenem Partner oder Kind oder Tier eben eine Selbsthilfegruppe oder ein Hilfsprojekt mit anderen Betroffenen – wobei man wieder Freude findet, wenn man akzeptiert, dass keine Gleichwertigkeit möglich ist, der Genuss aber dennoch zufriedenstellend ist.

Das Leben ist lebenswert und Krisen sind wichtige Lektionen, die zu verstehen manchmal nur mit Hilfe möglich ist.
Viel Kraft dabei wünscht SiM















man nur so herzlos sein?



